Vorwort

Im Grunde hast Du es schon immer gewusst, schon immer geahnt, dass Du anders fühlst, als es Deine Freunde tun. Nur wahr haben wolltest Du es nicht. Es sollte keiner wissen, Du wolltest keine Probleme bekommen und so behieltest Du Dein großes Geheimnis für Dich. Denn selbst die Gründe, die Du für Dein Anderssein fandest, überzeugten Dich nicht wirklich und die Zeit verging, aber es änderte sich nichts. Die Sehnsucht wuchs und nichts war schöner, prickelnder, aufregender für Dich als Junge bzw. Mädchen als die Gedanken an das Zusammensein mit Deinem Kumpel aus der Klasse bzw. das gemeinsame Nebeneinanderliegen mit Deiner besten Freundin. Und das war jedes Mal so und ging nicht weg...

Egal, ob es bei Dir auch so war oder anders, irgendetwas lief nicht so wie bei den meisten anderen. Es kommen mehr Fragen, die Gefühle spielen verrückt, werden verdrängt. Aber dann kommt der Punkt, an dem man aus dieser Enge, der Unsicherheit, der Verstecken ausbrechen will. Man erträgt den Selbstbetrug, das Warten und Vor-sich-her-Schieben nicht mehr, will raus, sich öffnen und Klarheit schaffen. Das ist die Phase des Coming Outs. Es bedeutet sich nicht mehr vor eigenen Gefühlen verstecken, sich anzunehmen, vor anderen zu seinen Gefühlen zu stehen, Mut zum Andersleben zu haben und diesen zu vertreten, schließlich das Anderssein zum Normalsein zu machen.

Dabei geht jeder aber einen eigenen Weg. Dem Einen fällt die Umstellung leichter, die Familie kommt schneller damit klar, der Freundeskreis fängt ihn auf. Für den anderen kann dieser Weg lang, schwer und mit vielen Kämpfen verbunden sein. Doch niemand braucht die Angst haben, diesen Weg allein gehen zu müssen. Es gibt mehr Mädchen und Jungen, die ihn gehen, weil sie anders fühlen, als man denkt. Und auch wenn die eigene Sexualität nicht den ganzen Menschen, sondern nur einen Teil von ihm ausmacht, so sind Ängste vor den Gesprächen mit Freunden und Verwandten immer da und nicht gerade klein, auch wenn sie oft unbegründet sind.

Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass es nicht leicht ist, erste Schritte auf unbekannte, ungewohnte neue Wege zu setzen und z. B. zu uns als Jugendgruppe zu kommen. Dabei wollen wir Dir helfen. Du entscheidest, auf welchem Weg wir Dir helfen können. Also melde Dich bei uns... Und um zu lesen, wie es anderen Jugendlichen gehen kann, bei ihren ersten Schritten in die lesbische/schwule Welt, haben sich einige unserer Mitglieder die Mühe gemacht ihre Erfahrungen aufzuschreiben. Vielleicht findest Du Dich darin wieder...


Coming Out Stories

Steffi: Ich bin ein Spätzünder.

Also, eigentlich dachte ich den Großteil meines Lebens, ich würde irgendwann so mit Mann und Kindern ein gediegenes Leben führen. Zwar hatte ich den...

Chris: Genau das ist es, was ich will.

Tja, wo soll ich anfangen? Obwohl ich die schlimmste Zeit meines Coming Outs bereits hinter mir und mich selbst als schwul akzeptiert habe, stecke ich trotzdem noch mittendrin. Ich möchte...

Stefan: Ich möchte nur der Mensch sein können, der ich wirklich bin.

Mich zu outen, war ein sehr wichtiger Schritt, auch wenn ich es nicht als einen einzigen Schritt bezeichnen würde, dafür ging es viel zu langsam voran, aber...

Thorsten: Ich glaube, ich werde dieses Geheimnis nie lüften.

Mit 15 merkte ich zum ersten Mal bewusst, dass an meinem Verhalten anderen gegenüber etwas nicht stimmen konnte. Mit Mädchen hatte ich mich schon...

Tom: Never stop fighting!

Wenn mich heute jemand fragt, wie mein Outing war, sage ich, dass es nicht "war" sondern "ist" und dann benutze ich meist Worte wie "überraschend", "stressig", "befreiend" oder...


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